Zum Thema Adoptionsgebühr, Schutzgebühr, Tierarztkosten und warum wir die Frechheit besitzen "gebrauchte, "Second-Hand-Tiere" nicht einfach zu verschenken...

07.10.2014 11:57

Ein paar Gedanken zum Thema Adoptionsgebühr, Schutzgebühr, Tierarztkosten und warum wir die Frechheit besitzen "gebrauchte, "Second-Hand-Tiere" nicht einfach zu verschenken...

Wir vermitteln unsere Pflegekatzen gegen Adoptions- bzw. Schutzgebühr. Immer wieder kommt es vor, dass die Einhebung einer Adoptionsgebühr Anlass zur Kritik ist. Ein Argument das häufiger vorkommt ist, dass es durch die Adoptionsgebühr ärmeren Menschen nicht möglich sei, Tiere zu adoptieren. Manche Menschen haben uns wissen lassen, dass sie generell nicht bereit sind Kosten für die „Anschaffung“ eines Tieres zu tragen. Mein persönlicher Favorit unter allen Argumenten gegen die Adoptionsgebühr lautet wie folgt: „ Da bin ich schon bereit mir ein gebrauchtes Tier zu holen, und dann soll ich noch was dafür zahlen?“

Vermutlich wissen einfach nur viele Menschen nicht, was eine Schutz- oder Adoptionsgebühr ist und warum sie sinnvoll und notwendig ist. Wir bemühen uns daher nun, einige der Gedanken die hinter der Schutzgebühr stehen, gut nachvollziehbar zu erklären.

Stellen wir uns einmal vor, dass jeder der Willens und in der Lage ist, Tieren ein artgerechtes, liebevolles Zuhause zu schenken, keine Kosten tragen müsste - tierärztliche Leistungen wären kostenlos, ebenso Tierfutter und Tierzubehör. Kastrationen wären kein Thema mehr, weil sie ohnehin nichts kosten. Die Streunerkatzenproblematik wäre so wesentlich leichter in den Griff zu bekommen. Massenhaft Tiere würden ein liebevolles Zuhause finden, weil man sich vor den Kosten nicht fürchten muss. Kranke Tiere würden kaum noch abgegeben werden, weil die tierärztliche Behandlung gratis ist. Menschen die bisher aus Kostengründen auf Vierbeiner verzichten mussten, können Tieren nun ein liebevolles Zuhause bieten. Viele Tierheime könnten geschlossen werden und Vereine könnten ihre Tätigkeiten einstellen und ihre Mitglieder würden sich anderen wichtigen Themen widmen. Liebe allein reicht aus, um für Tiere zu sorgen, weil Geld ja keines mehr nötig ist. Das alles wäre wünschenswert.

Die Realität sieht leider ganz anders aus. In der Realität kostet alles Geld, meist sogar recht viel.

Man kann heute beschließen, ein paar Tieren zu helfen. Man macht einen Kassasturz, legt Geld zusammen, schaut wie viel es ist und hilft dann um dieses Geld solange Tieren bis das Geld aufgebraucht ist.

Wenn man jetzt aber gern noch mehr Tieren helfen möchte, muss man sich darum kümmern, dass mehr Geld da ist. Zu diesem Zweck wird man versuchen, Menschen zu finden, die ebenfalls bereit sind Geld zu geben, damit Tieren geholfen werden kann. In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass durch Spenden zu wenig Geld hereinkommt um weiterarbeiten zu können. Man hebt also eine Adoptionsgebühr ein, um Kosten die zwangsläufig entstehen, annähernd decken zu können. Ein wichtiger Grund für Adoptions- oder Schutzgebühren ist also der, dass auch noch weiteren Tieren geholfen werden kann.

„Was nix kost, is nix wert!“ So dumm dieser Spruch auch anmuten mag, so wahr ist er doch oft. Die Einhebung einer Adoptionsgebühr sorgt dafür, dass sich Menschen eine Adoption vorweg bereits eher gründlicher durch den Kopf gehen lassen – wer will denn schon sein Geld zum sprichwörtlichen Fenster hinauswerfen? Die Erfahrung zeigt, dass sobald ein Tier verschenkt wird, es eher ins Haus geholt wird, bevor man sich das gut überlegt hat. Daraus resultiert, und das lässt sich in der Praxis auch beobachten, dass diese Tiere häufiger ihr Zuhause verlieren.

Ihr kennt also jetzt Gründe, die eine Schutzgebühr nötig und sinnvoll erscheinen lassen. Die meisten Menschen werden, wenn sie verstehen warum eine Adoptionsgebühr nötig ist, diese auch gern bezahlen. Für all jene die dennoch nicht bereit sind sich an den Kosten zur Versorgung von Tieren im Tierschutz zu beteiligen, geht’s noch weiter im Text.

Es gibt Menschen, die wollen keine Adoptionsgebühr bezahlen und es gibt Menschen die können nicht.

Widmen wir uns zuerst denen die nicht wollen, denn da gibt’s eigentlich nicht viel dazu zu sagen. Wer keine Schutzgebühr zahlen will, der bekommt schlichtweg kein Tier vermittelt. Wir möchten unsere Schützlinge in der Verantwortung von Menschen wissen, die ihren Beitrag zum Tierschutz (in Form der Schutzgebühr) gerne und aus voller Überzeugung leisten.

Kommen wir nun zu jenen die keine Schutzgebühr bezahlen können, weil sie zu wenig Geld haben. Es gibt zahllose Menschen die einem Tier gerne ein liebevolles Zuhause bieten würden, es aber aus finanziellen Gründen nicht können. Dass so etwas vorkommt ist unendlich bedauernswert, doch für uns leider nicht zu ändern.

Ein Tier zu lieben ist eine schöne Sache, doch allein von Liebe wird ein Tier nicht satt und allein von Liebe wird ein erkranktes Tier auch nicht gesund. Sein Leben mit Tieren zu teilen bedeutet Verantwortung zu übernehmen, was das Aufbringen von Geldmitteln zu deren Versorgung mit einschließt. Wenn nun jemand nicht in der Lage ist eine Schutzgebühr von beispielsweise 100 Euro zu bezahlen, machen wir uns natürlich Gedanken darüber, ob im Krankheitsfall die tierärztliche Versorgung gewährleistet wäre und das Tier ausreichend mit Futter versorgt werden kann.
Tierarztkosten fallen oft unverhofft an und können wesentlich mehr als die Höhe der Schutzgebühr ausmachen. Es ist nur schwer möglich, jemandem zuzutrauen die Kosten, die durch die Haltung von Tieren jahrein, jahraus entstehen zu tragen, wenn er nicht in der Lage ist sich das Geld für die Schutzgebühr zusammenzusparen.

Darüber können wir nicht so einfach hinwegsehen. Es liegt in unserer Verantwortung einen Lebensplatz für unsere Schützlinge zu finden, auf dem deren Versorgung in jeder Hinsicht gewährleistet ist.
Wir hoffen ihr könnt jetzt gut nachvollziehen was eine Schutz- oder Adoptionsgebühr ist und warum wir auf sie angewiesen sind.

Ein Gedankenspiel zum Schluss!
Gehen wir von einer Schutzgebühr von 150 Euro für eine Katze aus, die parasitär behandelt, doppelt geimpft, kastriert, gechipt und auf FIV und FELV getestet ist. Fragt ruhig mal bei euren Tierärzten nach was für diese Leistungen zu bezahlen wäre - es werden wesentlich mehr als 150 Euro sein. Bedenkt bitte auch, dass viele unserer Schützlinge, außer dem „Standardprogramm“ auch noch aufgrund von Erkrankungen oder Behinderungen tierärztlich behandelt werden müssen. Wer sich das durch den Kopf gehen lasst, dem wird schnell klar, dass mit der Adoptionsgebühr tatsächlich nur ein anteilsmäßiger Beitrag der Tierarztkosten abgedeckt wird und keinesfalls mehr.

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